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Jeden Tag dasselbe 

Kinder mit ADHS haben häufig Probleme, ihren Alltag zu strukturieren. Selbst kontinuierliche Aufforderungen und Ermahnungen helfen da nicht. Sie brauchen feste Regeln, Systeme und Strukturen, um ihren Alltag zu ordnen und besser überblicken zu können.
Selbstständige Kinder?

Im Idealfall stellen die meisten Eltern sich ihre Erziehung als Entwicklung vor: Je älter die Kinder werden, desto mehr planen und organisieren sie ihren Tag selbst. Schließlich sollen die Sprösslinge ja lernen, selbstständig und selbstbewusst zu werden. Strikte Regeln, Pläne und Vorschriften widersprechen diesem „Teamwork“ eher.
 
Den Tag fest in der Hand
Kinder mit ADHS brauchen jedoch häufig sehr feste Regeln und Strukturen, um ihren Tag zu organisieren – und dies auch, wenn sie schon älter sind. Der immer gleiche Ablauf und sich wiederholende Rituale geben ihnen Sicherheit und machen den Tag besser planbar.
  • Erstellen Sie einen Tagesplan mit einem festen Ablauf. Je nach Alter des Kindes kann dies schriftlich oder mit Bildern festgehalten werden.
  • Eventuell fehlendes Zeitgefühl kann mit einem Wecker ausgeglichen werden, der klingelt, wenn eine Phase des Tages abgeschlossen ist, z.B. nach 30 Minuten Hausaufgaben.
Literaturtipps zu Büchern für Eltern finden Sie in der Rubrik Literatur.
 

Die Hausaufgabenzeit ist für viele Kinder mit ADHS die schlimmste Zeit des Tages: in Mathematik ellenlange Zahlenreihen, die sich nicht erschließen wollen und in Deutsch geht sowieso jeder gute Gedanke in der geschmierten Schrift unter. Informationen Tipps zur Hausaufgabenzeit finden Sie im Bereich Schule und Hausaufgaben auf der Seite "Hausaufgaben"

Pommes statt Spinat
Dass Kinder meistens Pommes mit Ketchup einer Portion Spinat vorziehen, ist kein Geheimnis. Bei Kindern mit ADHS ist diese Auswahl aber häufig wesentlich extremer: Sie essen manchmal nur ein oder zwei ausgewählte Lebensmittel und verweigern alles andere.

Tischmanieren
Auch die Situation am Esstisch ist für Kinder mit ADHS meist schwer zu ertragen: still sitzen, „sich benehmen“, mit Messer und Gabel umgehen und die Konzentration auf den Teller fällt ihnen schwer.
 
Tipps
  • Regelmäßige Essenszeiten sollten in den Tagesplan eingebaut werden.
  • Feste Sitzplätze ausmachen. Das Kind mit ADHS sitzt am besten zwischen den Eltern, so dass diese ganz in seiner Nähe sind und alles im Blick haben.
  • Lärmquellen sollten ausgeschaltet werden: Fernseher, Telefon oder Radio sind unnötige Ablenkungen.
  • Stellen Sie Tischregeln auf. Dabei gilt: Lieber wenige Regeln, dafür aber konsequent. Überlegen Sie also, was Ihnen am wichtigsten ist. Die Regeln können auch mit dem Kind gemeinsam erarbeitet werden.
  • Wenn das Kind zu wenig „gesunde“ Sachen zu sich nimmt, kann als Übergangslösung auch Gemüse „versteckt“ werden, z.B. pürierte Paprika in der Tomatensoße.

Medikamente
Nimmt Ihr Kind Medikamente gegen die ADHS ein, so müssen Sie gewisse Vorschriften bei der Reise ins Ausland beachten, da es sich häufig um Wirkstoffe handelt, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.
In Länder des Schengener Abkommens (Deutschland, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn) kann man für 30 Tage einreisen, wenn ein Formular für den Arzt ausgefüllt und durch die obersten Landesgesundheitsbehörden bestätigt wurde.
 
Für alle anderen Länder wird zusätzlich empfohlen, eine ärztliche Bescheinigung in englischer Sprache mitzuführen. Es gelten jedoch je nach Land sehr unterschiedliche Vorschriften, deshalb ist es sinnvoll, sich frühzeitig über die Regelungen Ihres Urlaubslandes bei der entsprechenden Botschaft in Deutschland zu informieren.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bietet zu diesem Thema aktuelle, allgemeine Informationen.
 

Wenn feste Regeln, Strukturen und Rituale Kindern mit ADHS helfen, sich zu orientieren, ist es umgekehrt einleuchtend, dass Veränderungen und Wechsel sie aus der Bahn werfen können. Dabei sind nicht nur große Veränderungen wie ein Schulwechsel gemeint, sondern auch die täglichen Übergänge von einer Situation in die andere, also z.B. morgens von zu Hause in die Schule.
 
Struktur, Struktur, Struktur
Übergänge werden immer schwierige Situationen für ADHS-Kinder bleiben: viele Dinge, an die man denken muss, gleichzeitig viele neue Eindrücke und dazu meist noch begrenzte Zeit. Diesen „Fallen“ kann man entgegen wirken, indem man die betreffenden Tagesabschnitte sehr genau strukturiert.
Gerade auch wenn Kinder zu Jugendlichen werden und mehr Freiheit und Selbstständigkeit brauchen, gilt es, die Regeln anzupassen, aber nicht abzuschaffen. In dieser Zeit des „Erwachsenwerdens“ bleibt das grundsätzliche Problem meist bestehen und der Umgang mit den neuen Freiheiten muss erst erlernt werden.
 
Vorbereitung
Häufig sind solche Übergänge im Tagesablauf eher hektische Phasen. Deshalb ist es wichtig, sie so gut wie möglich vorzubereiten. Den Turnbeutel für den Sportverein zu packen, kann z.B. jeweils in den Ablauf des vorherigen Abends eingeplant werden. Der fertige Beutel wird zum Mitnehmen direkt an einen festgelegten Platz gelegt.
 
„Stammplätze“ 
Feste „Stammplätze“ eignen sich besonders gut für alle Dinge, die regelmäßig mitgenommen werden müssen, wie der Haustürschlüssel oder die Schultasche. Aber auch so alltägliche Dinge wie die Schuhe sollten einen Stammplatz erhalten, sonst sind sie verschwunden, wenn es losgehen soll. Es muss ein eingespielter Ablauf werden, dass diese Materialien immer wieder direkt auf ihren Stammplatz gelegt werden.
 
Checklisten
Auch Checklisten an den Türen können dabei helfen, Übergänge einfacher zu gestalten. An der Haustür könnte z.B. gut sichtbar stehen: Jacke? Schuhe? Haustürschlüssel? Schultasche? Im Bad könnte die Liste alle Aufgaben in diesem Bereich aufzählen: Zähne geputzt? Gesicht gewaschen? Bei jedem Übergang können diese Checklisten sozusagen „Schlüsselwächter“ sein: Erst wenn alle Punkte abgehakt werden können, geht es von diesem Bereich in den nächsten.
 
 
Für viele Kinder mit ADHS ist das morgendliche Aufstehen eine besonders schwierige Phase. Sie besteht aus vielen Aufgaben, die in kurzer Zeit erledigt werden müssen und ist geprägt von Übergängen.
 
Ausgeschlafen?
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genügend Schlaf erhält. Müde kann ein guter Start in den Tag nicht klappen. Dabei kann das Empfinden des Kindes ganz anders sein, als sein tatsächliches Schlafbedürfnis. Versuchen Sie also lieber zu beobachten, mit welcher Schlafdauer Ihr Kind morgens ausgeschlafen erscheint.
 
Ein Ablaufplan strukturiert den Morgen
Um mehr Struktur in den Morgen zu bringen, kann auch ein Ablaufplan hilfreich sein. Überlegen Sie:
  • Was muss erledigt werden?
  • Wie viel Zeit braucht Ihr Kind dafür?
  • Wie viel Zeit ist das insgesamt?

Darauf aufbauend kann nun ein Morgenplan erstellt werden, auf dem steht, wann aufgestanden wird und welche Tätigkeit wann zu erledigen ist. Gut sichtbar aufgehängt, kann das Kind hieran immer wieder kontrollieren, ob es noch „in der Zeit liegt“.

Jeder Morgen ist gleich
Die festen Strukturen helfen allerdings nur, wenn sie auch eingehalten werden. Läuft jeder Morgen gleich ab, tritt im besten Fall eine Art Gewöhnung ein. Es wird nicht einfach sein, die festgelegten Zeiten einzuhalten. Deshalb gilt: Stellen Sie klar formulierte Aufforderungen und Konsequenzen bei Nicht-Beachtung auf.
 

Die meisten Kinder wollen lieber noch „mit den Erwachsenen“ aufbleiben anstatt abends ins Bett zu gehen. Bei ADHS-Kindern kann diese „normale“ Abneigung zu einem großen Problempunkt werden. Viele Kinder haben Schwierigkeiten die „Ruhe“ zum Einschlafen zu finden.
 
Anreize geben
Vielleicht hilft es Ihrem Kind, wenn Sie auch einen positiven Aspekt mit dem „blöden Zu-Bett-gehen“ verbinden. Führen Sie ein Abend-Ritual ein, dass Ihrem Kind gefällt, z.B. eine Gute-Nacht-Geschichte, eine Kuschelzeit oder Ähnliches.
 
Zu laut oder zu leise
Manche Kinder hören abends „die Flöhe husten“, andere können wiederum die absolute Ruhe – auch was die anderen Sinne betrifft – kaum aushalten. Je nachdem sollte man die Umgebung gestalten: Bei reizempfindlichen Kindern sollte der Raum dunkel und ruhig sein. Bei Kindern, denen die Reizarmut schwerfällt, kann z.B. eine Lichtlampe, die bewegliche Schatten wirft, weiterhelfen.
 
Ein Ablaufplan für den Abend
Auch am Abend kann es hilfreich sein, den Ablauf gut zu planen und immer gleich aufzubauen. Überlegen Sie sich dafür folgende Punkte:
  • Wann sollte Ihr Kind eingeschlafen sein?
  • Welche Pflicht-Abläufe müssen vorher erledigt werden und wie lange dauern sie?
  • Wie lange soll der „Belohnungspart“ dauern?
 
Rechnen Sie von der Schlafenszeit die benötigte Zeit zurück. So beginnen Sie mit ausreichender Zeit die Vorbereitung für das Schlafengehen.
 
Jugendliche werden gerade für die Abendstunden mehr Eigenverantwortung fordern. Dieser Übergang zu mehr Freiheit sollte jedoch graduell, in zuvor jeweils abgesprochenen Einzelschritten, erlernt werden und weiterhin feste Grundregeln als Gerüst behalten.
 
 
 
Viele Eltern von Kindern mit ADHS kennen das Problem, dass ihre Kinder ganz plötzlich und mit ungeahnter Intensität einen Wutausbruch haben. Einmal in Rage lassen sich diese Kinder manchmal nur schwer oder gar nicht mehr stoppen: Auch der eigentliche Grund ist nicht mehr wichtig: Es geht nicht mehr um das verlorene Heft oder den gemeinen Bruder.
 
Verbale Argumente kommen nicht mehr an
Logischen Argumentationen oder Beschwichtigungen ist das Kind in diesem Stadium nicht mehr zugänglich. Deshalb sollten Sie nicht versuchen, mit dem Kind zu diskutieren oder es mit logischen Argumenten zu beruhigen: Besprechen Sie die Situation lieber mit genügend Abstand z.B. am nächsten Tag.
 
Abstand gewinnen
Bei einigen Eltern hat sich das Prinzip der Auszeit als hilfreich erwiesen. Das Kind wird ganz zu Beginn des Tobsuchtsanfalls ruhig, eindeutig und bestimmt an einen vorher abgemachten Ort geschickt. Diese „Auszeit“ ist keine Bestrafung, sondern dazu da abzukühlen und Abstand zu gewinnen. Der Ort sollte weder Ablenkungen bieten noch dem Kind Angst machen, geeignet ist z.B. das elterliche Schlafzimmer.
 
Tipps
  • Die oberste Priorität ist: Sie müssen ruhig bleiben. Wenn Sie auch aufbrausen, wird die Situation eher eskalieren.
  • Versuchen Sie bei Wutanfällen früh zu reagieren, nicht erst wenn das Kind schon in Rage ist.
  • Loben Sie das Kind, wenn es sich wieder beruhigt hat.
  • Die Wutausbrüche dürfen sich nicht lohnen: Das Kind darf im Anschluss daran nicht seinen Willen durchsetzen oder die Aufgaben umgehen, die zum Ausbruch geführt haben.
  • Loben Sie das Kind, wenn es in einer typischen Situation nicht in einen Wutanfall verfällt.

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